Herzlich Willkommen im Möbelmarkt: Wo Wohnen (nicht wirklich) wenig kostet - und der Service schlimmer ist als im Osten …
Neue Wohnung, neues Glück: So ein Umzug bietet ja unter anderem die Möglichkeit, sich mal neu einzurichten, frischen Wind in die eigenen vier Wände zu bringen, alles neu und schön zu machen. Da sich die Auswahl beim Schweden mit den vier Buchstaben zur Zeit auf den unseligen “Chabby Chic” zu beschränken scheint, mit dem nicht jeder was anfangen kann und welches außerdem in jedem zweiten deutschen Wohnzimmer mehr dahinchabby’t als -chic’t, gehen wir doch mal zu H…… Das ist doch was Solides!
Die Ernüchterung folgt beim ersten Rundgang: Zwar scheint da irgendwie gerade Ausverkauf zu sein. Jedenfalls sind fast alle Preise reduziert. Allerdings von irgendwelchen “Listenpreisen” (wohl eher Mondpreisen), die wahrscheinlich nie verlangt wurden und wohl auch keiner bezahlen würde. (Wo sind da eigentlich die Verbraucherzentralen und Wettbewerbshüter?) Eins ist jedenfalls schnell klar: wenig kosten tut da nix!
Aber was soll’s, jetzt lassen wir mal alle Fünfe gerade sein und leisten uns was! Nach langem Suchen haben wir einen Esstisch mit 6 Stühlen, ein Sideboard, eine Schrankkombination und eine “Polsterlandschaft” ausgewählt. Preis insgesamt mehrere Tausend Euro! Wohlgemerkt, alles schon “reduziert”.
Für die letzten kleinen Fragen, vor allem aber für den eigentlichen Kauf suchen wir jetzt einen Verkäufer. Rumstehen tut keiner, angesprochen wurden wir auch nicht, also hin zu der Gruppe von ca. 8 Schreibtischen, wo sich die Herren und Damen wohl hauptsächlich aufhalten. Leider sind nur zwei der Tische mit Personal besetzt. An einem lassen sich gerade andere Kunden beraten, am Zweiten wird telefoniert. Also warten wir das Telefonat ab, gehen dann zu dem Herrn hin und sagen ihm, daß wir noch etwas Beratungsbedarf hätten und dann gerne Möbel kaufen würden. Der völlig genervte Mittfünfziger schießt uns zwei Halbsätze um die Ohren mit dem Inhalt, daß er keine Zeit hätte. Als ich ihn darauf hinweise, daß kein anderer Verkäufer zu sehen wäre und wir gerne etwas kaufen würden, faselt er was von “so viele Kunden … den ganzen Tag telefonieren … keine Zeit … so ein Streß … dauernd Kunden!”. Als ich ihm leicht genervt und etwas sarkastisch mein Mitleid dafür ausspreche, das er so von kaufwilligen Kunden genervt werde, sagt er zu, gleich jemanden zu schicken.
Der kommt dann auch. Und fragt mich erstmal, warum ich seinen Kollegen so anspreche. Daraufhin erkläre ich ihm mein Unverständnis darüber, daß ich hier gerade Möbel für mehrere Tausend Euro kaufen möchte und es nicht kann. Dabei lasse ich durchblicken, daß ich das für eine Zumutung halte und eigentlich eine andere Behandlung erwarten würde. Und das ich es merkwürdig finde, wenn sich sein Kollege mehr oder wenig eindeutig über die nervenden Kunden beschwert. Das versteht er nicht. Na ja …
Schlußendlich führt er uns zu einer freundlichen Verkäuferin, die sich unser annimmt, alles aufnimmt, Kaufverträge druckt, uns darauf hinweist, daß wir wegen der Couch nochmal in die andere Abteilung müßten, um einen Rabatt bekommen zu können usw. Die nächste Ernüchterung kommt mit der Antwort auf die Frage, wann denn die neuen Möbel geliefert werden. Eine Hälfte in ca. 4, der Rest in ca. 8 Wochen! Wow, reife Leistung! Wenn’s nicht gerade ein Mercedes sein soll, bekommt man heutzutage seinen Neuwagen schneller geliefert! Also warten …
Ca. 4 Wochen später: Auf Nachfrage kommt die Lieferinfo für den ersten Teil: am soundsovielten zwischen 10 und 16 Uhr. “Kann man das vielleicht etwas eingrenzen?” “Nein!” “Das ist aber schlecht, dann muß ich mir ja den ganzen (Arbeits-) Tag freihalten!” “Na gut, ich gebe Ihnen die Handynummer der Fahrer, da können Sie dann ab 7 Uhr anrufen und fragen, wann die ungefähr bei Ihnen sind. Aber eigentlich darf ich das nicht!”. Na gut, so muß ich mir zwar auch den ganzen Tag freihalten, kann aber wenigstens zwischendurch mal weg, um etwas zu erledigen.
Das klappt dann auch, die Eßgruppe kommt und wird montiert, wird von mir aber nicht abgenommen wegen mehrerer Oberflächenfehler, Bohrlöchern, wo sie nicht hingehören, schlecht ausgebesserten Löchern usw. Es wird vereinbart, daß ein Kundendienstmitarbeiter kommt, den Schaden begutachtet, wo möglich behebt und das weitere Vorgehen mit uns abstimmt. Also noch einen Tag frei nehmen … Der kommt dann auch, behebt einige Fehler und für den Rest einigen wir uns auf einen Nachlaß von 100 €. So weit so gut, es ist nicht ganz so schön, wie das Ausstellungsstück, aber wir werden lernen, damit zu leben. Nochmal neu kaufen und nochmal wochenlang warten, ist ja keine Alternative. Und ein Austausch bringt nach Aussage des Technikers auch nichts, weil die “wahrscheinlich alle so aussehen”.
Bleibt noch der zweite Teil: Der avisierte Liefertermin ist inzwischen da, gemeldet hat sich noch niemand, also anrufen. Nach ca. 30 min Warteschleife (!) wird mir mitgeteilt, daß die Möbel jetzt eingetroffen wären und ich für einen Liefertermin zurückgerufen würde. Das passiert auch, eine kurze Nachricht mit Rückrufbitte auf der Mailbox beweist es. Also wieder Hotline! Diesmal gleich 45 min Wartezeit! Das geht auch nur mit Flatrate, die Dreiviertelstunde hätte ich trotzdem sicher sinnvoller verbringen können. Mein Hinweis darauf wird damit beantwortet, daß ja “so viele Kunden anrufen würden” und sie “so viel zu tun” hätten. Das man bei diesem Unternehmen offensichtlich dauergenervt von den eigenen Kunden ist, irritiert schon ganz schön.
Das Terminvereinbarungsspiel geht also von vorn los, 10 bis 16 Uhr, Handynummer, die “ich ja eigentlich nicht rausgeben darf”, bla bla bla. Also wieder einen Tag frei nehmen und warten …
Was bei der nächsten Lieferung heruaskommt, folgt in Teil 2, coming soon … Liefertermin nochmal um knapp 2 Wochen verschoben!
Eines ist aber jetzt schon klar: Nie wieder dieses Möbelhaus! Da bin ich konsequent, sowas merke ich mir bis ans Lebensende!